meine reise ins unbekannte – in die bunte welt ghanas

Letzten Oktober war es soweit – meine erste große Reise auf einen anderen Kontinent und das ganz alleine für zwei Monate. Nach Ghana, Afrika.

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Wow – das denke ich mir heute noch. Unglaublich, dass ich mir das selbst zugetraut habe und dass ich das ohne großen Widerwillen, Ängsten usw. einfach durchgezogen habe. Habe es bis jetzt nicht bereut.

Ich war dort für zwei Monate in einem Freiwilligenprojekt in Akwatia, Ghana. Ich arbeitete in einem Waisenhaus mit Kindern von 1-17 Jahren, gab ihnen Essen, spielte mit ihnen, schrieb mit ihnen deren erste Buchstaben und Zahlen und schaukelten auf einer Schaukel, welche sie in deren Vorhof hatten.

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Ich möchte bezüglich meines Projektes nur kurz eingehen – weil viel mehr möchte ich über mich und meine Gefühle, Gedanken usw. schreiben! Nein das ist nicht egoistisch, das ist das was ich dir – meinem Leser – zeigen möchte.

Was war der Grund, dass ich mich auf so ein Projekt eingelassen habe? Ich musste für Flug, Visum, Unterkunft usw. alles selbst bezahlen, d.h. es war nicht so kostengünstig. Das war mir in dem Moment total egal – ich bewundere mich heute noch für diese Entschlossenheit und den Willen, das alles durchzuziehen. Ich wollte eine total andere Kultur kennenlernen, eine, von der ich glaubte, dort spielt Geld keine Rolle, dort ist das egal. Ich entschied mich für ein Land, Projekt sowie Stadt wurde von meiner Organisation in Deutschland zugeteilt – da ich aber keine so großen Erwartungen diesbezüglich hatte, war das für mich völlig in Ordnung. Dann buchte ich Flug, Visum, kündigte meine Arbeit und freute mich auf meine Freiheit, nach Ghana zu gehen – ganz alleine. Alles darf ich alleine entscheiden, alleine machen – ein riesen Schritt. Hörte Stimme, oh Ghana ist gefährlich, du musst aufpassen usw. War jemand von ihnen schon mal in Ghana? NEIN! Aber so sind Menschen, sie versuchen einem immer dreinzureden. Das ist eine riesen Lektion für mich zu lernen, einfach zu mir und meinen Wünschen, Ideen und Vorstellungen zu stehen! Ich darf MEIN Leben leben, ich muss nicht „fremde“ Menschen um Erlaubnis fragen, ob ich etwas Bestimmtes machen darf oder nicht. Ich bin Herr meines Lebens, ich bin Schöpfer meines Lebens. Wenn ich es nicht selbst in die Hand nehme, dann bin ich immer Opfer meiner Mitmenschen. So nun dauerte meine Vorbereitungszeit eine Weile – Impfungen, Visum …alles war eine Aufregung, Spannung und Unwissen. Was erwartet mich unten, was erwartet mich nach meiner Rückkehr. Immerhin hatte ich die Wohnung weiterhin zu bezahlen und es wäre nicht schlecht gewesen, dann nachher wieder etwas finden, wo ich Geld verdienen würde.

Doch ich wollte genau diese Ungewissheit, genau diese Freiheit selbst zu entscheiden. Mein Flug ging von München über London nach Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Wow, die Hitze, die mir entgegenkam, als ich vom Flugzeug ausstieg, all diese schwarzen Menschen (und ich wähle diesen Begriff ohne abwertende Haltung, einfach der Einfachheit halber) – aber dessen war ich mir wahrscheinlich unterbewusst schon im Klaren, so dass es mir gar nicht komisch vorgekommen ist. Dann diese Menschenmassen am Flughafen – endlich eine liebe Mitarbeiterin meiner Organisation hat mich abgeholt. Es war abends. Es ging dann in meine Unterkunft, ein Hostel mit mehreren Zimmern. Man wurde wirklich sehr gut behandelt, das Essen in Ghana war ein Traum. Kochbanane, Yam (ähnlich wie Kartoffel), Reis, Fufu und all die frischen Früchte: Kokosnuss, Ananas, Bananen, Papaya …mmmmmmh lecker. Ich liebe diese Früchte.

Nach ein paar Tagen kam ich dann in meine Gastfamilie, wurde dort herzlich empfangen. Es war eine Gastfamilie, in der immer mehrere Freiwillige untergebracht waren und gleichzeitig auch das Waisenhaus war, in dem ich arbeitete. Ich verstand mich sehr gut mit all den deutschen Mädels – es war eine fantastische Zeit mit den lieben. Voller Lachen, Tränen, Diskussionen über unsere Verdauung (ja das war dort einfach schon Thema am Frühstückstisch), über unsere Kinder im Waisenhaus, über unsere Freunde zuhause – wir quatschten einfach über alles. Das ist so besonders gewesen, da ich diese Menschen einfach aus einer Perspektive kennengelernt habe, die man im alltäglichen Leben so nicht so schnell kriegt. Ich habe das geliebt.

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Das Projekt verlief gut, also wie bereits kurz angesprochen, wir mussten uns um die Kinder kümmern – war manchmal ein wenig schwer, da sie nur zum Teil Englisch verstehen konnten und die Sprache Twi konnte ich nicht so schnell erlernen. Mir sind die Kinder ans Herz gewachsen, wobei ich auch dazu sagen möchte, ich habe nie so eine immense Beziehung zu den Kindern aufbauen können, da das Verstehen einfach manchmal nicht möglich war. Es ist total eine andere Kultur und den Kindern ging es vorwiegend ums Essen – sie bekamen regelmäßig zu essen, aber doch wahrscheinlich zu wenig.

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Die Zeit verging relativ schnell, wobei ich sagen muss, dass ich nach einem Monat wieder in Gedanken sehr stark zu Hause war. Ich war unten einfach unterfordert, so richtig bewegen konnte man nichts, klar man konnte Geld geben, aber ich wusste nie so recht, wofür es dann hergenommen wird – das komische war, bevor ich nach Ghana gegangen bin, habe ich oft Menschen auf der Straße Geld gegeben und hatte immer das Gefühl, dass ich selbst es nicht wert bin, das Geld für mich auszugeben. Als ich wieder zu Hause war, ich liebte es das Geld bewusst für mich auszugeben, denn damit konnte ich mir selbst was Gutes tun…Ich könnte mit dem Geld auch den Kindern helfen, aber das war meiner Meinung nach, nicht das richtige, denn ich wusste nicht, wie viel tatsächlich den Kindern zu Gute kommt oder wie viel die Gastmutter für sich selbst behält! (Das klingt krass und mittlerweile sagen die Mädels, die noch unten sind, wenn man Geld spendet, kriegen es sicher die Kinder, aber zu dem Zeitpunkt, in dem ich unten war, war das so eine unsichere Situation). Trotz dessen hatte ich bevor diese Unsicherheit in mir entstanden ist, der Mutter einiges an Geld gespendet.

Nach und nach merkte ich einfach wie sehr ich meine Freiheit in Österreich vermisste, einfach auf die Straßen zu gehen, ohne dauernd angequatscht zu werden. In Ghana war es nicht möglich drei Schritte vor die Haustür zu gehen, ohne immer als „Obruni Obruni“ (weißer Mensch) betitelt zu werden. Anfangs vielleicht noch lustig, aber irgendwann einfach nervig. Ich habe es vermisst, selbst zu kochen und gemütlich irgendwo einen Kaffee trinken zu gehen.

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Eines der Punkte, weshalb in nach Ghana wollte, war ja, in eine Gesellschaft zu kommen, in der Geld nicht eine so riesen Rolle spielte, aber das täuschte. In diesem Land ging es genauso um Geld und das schwierigere im Gegensatz zu hier ist, dass wir hier finanziell alle ca. „gleich stehen“ und in Ghana ist man als weißer Mensch immer der Reiche. Aber das stimmt nur teils, klar im Verhältnis zu deren Einkommen ist das total was Anderes, aber im Verhältnis zu unseren Lebenskosten haben wir geldmäßig auch nicht mehr. Was bei uns anders ist, ist das Sozialsystem und die Möglichkeit, in einer schönen sauberen Wohnung zu leben und eine saubere Umgebung zu haben. In Ghana ist alles staubig und total vermüllt.

Hm, das Wegfahren ist für mich eine Möglichkeit Neues zu sehen, neues kennenzulernen, neue Menschen kennenzulernen, andere Einstellungen, Erfahrungen und Visionen zu erkennen und gleichzeitig wieder ein Schätzen der alten Situation, aus der man kommt. Sein zuhause. Damit meine ich nicht zwingend den Geburtsort, einfach der Ort, wo man den Schlüssel nehmen kann und zusperren kann – sein Zuhause. Das hat mir in Ghana sehr gefehlt.

Ich hätte reisen können, aber ich fand in den Orten, wo ich war, war die Situation überall dieselbe: man wurde dauernd angequatscht, überall Menschenmassen, Laut und ohne Ruhe. Ich habe ganz stark gemerkt, dass mir diese Ruhe fehlt. Wobei ich weiß, dass wenn innerlich ruhig ist, die äußere Unruhe einem nichts anhaben kann – aber das darf ich erst lernen.

Alles in allem, ich liebe es an die Zeit in Ghana zurückzudenken, ich liebe es an den Moment zurückzudenken, an dem ich aus dem Flugzeug stieg, dem Moment, in dem ich zur Gastfamilie gekommen bin, den Momenten, in dem ich neue Freundschaften geschlossen habe, den Momenten, in denen ich Tränen wegwischen konnte, in denen ich Lachen sah und eine riesen Verbindung zu den Mädels spürte und wusste, es hat einen Grund, warum wir uns treffen (alles ist so richtig wie es ist), in denen ich die wunderbaren großen Augen der kleinen sah, der Moment, in dem ich mit einem kleinen Mädchen mitweinen musste, da mich ihre Tränen so traurig machten, der Moment, in dem ich den wunderbaren Sonnenaufgang hinter dem Haus sah, dem Moment, in dem ich den atemberaubenden Strand in Accra sah. Den Augenblick, in dem ich in Accra zum Flughafen gekommen bin, endlich wieder alleine für mich war, ich mir einige leckere Dinge kaufen konnte, ich einen wunderbaren Mann am Flughafen kennengelernt habe, dem Moment, in dem ich im Flieger saß am Fenster und zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit auf die Toilette musste (da ich vorher viel getrunken habe) und mich die liebe Frau neben mir fragte: do you have problems with your stomach? Und ich „nein alles gut“J Ich liebe es die Momente in meine Gedanken kommen zu lassen, in dem ich voller Freiheitsgefühl, wieder in London war. Europa. Weiße Menschen, an dem Moment, in dem ich mit Kreditkarte (voll lässig, mache ich sonst nie) meinen Kaffee bezahlt habe. Der Moment im Flieger, in dem ich wusste bald bin ich wieder in München (der Flieger war voller Senioren – das war nicht so ein gutes GefühlJ). Der Moment in München, in dem mein Vater und seine Freundin mich abgeholt haben und mir sagten: wow so braun haben wir dich nie gesehen, der Moment, in dem ich erstaunt feststellte, wie komisch es sich anhörte mich wieder Dialekt sprechen zu hören. So viele wunderbare Momente in einem Zeitraum von zwei Monaten. Ein Moment, den ich euch noch erzählen möchte. Der mir Tränen in die Augen kommen ließ. Der Moment, in dem ich am Inn (ein Fluss in Innsbruck) spazieren ging, am Abend (bin mittags in München gelandet) und ich so eine Freiheit spürte, Stolz, dass ich es geschafft habe, Freude über all diese wunderbaren Momente und einfach die Gewissheit, jetzt habe ich Innsbruck wieder für mich! Danke an diesen wunderbaren Moment. Einfach danke an mich selbst. Danke, dass ich so mutig war, es zu wagen. Ich liebe diesen Moment. Ein Moment, in dem alles zusammenfließen konnte. All meine Ängste, Liebe, Hingabe, Erkenntnis über vieles und Lebensfreude.

Danke an alle, die mich auf diesen Weg begleitet haben!

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