Manchmal muss man loslassen

M* ist ein junger Mann. Er wohnt in der Nachbarschaft. Ich kenne ihn schon ziemlich lange. Vor kurzem hat er sein Abitur bestanden und nun geht er in die Welt hinaus. Das muss so sein. Er ist ein „patentes Kerlchen“. Er wird das ohne Probleme schaffen, sich zurecht zu finden. Da bin ich mir sicher.

Mit M* habe ich schon einige interessante und tiefgreifende Gespräche geführt. Viele denken vielleicht, dass das gar nicht möglich ist. Doch aus Kindern werden Leute. Ich mag Jugendliche. Die haben oft so erfrischend andere Sichtweisen, die man selbst aus den Augen verloren hat. Ich glaube, Jugendliche, Pubertierende und junge Erwachsene spüren das, ob man sie mag oder nicht. So wie Erwachsene auch.

Ich behaupte jetzt mal, dass ich mit vielen Jugendlichen gut auskomme. Der ein- oder andere fragt mich auch immer mal wieder um Rat oder meine Meinung. Ich versuche zuzuhören und möglichst nicht rechthaberisch oder überheblich die „Altersweisheit“ rauszuhängen, sondern sie selbst dazu zu bringen, herauszufinden, was sie wollen. Ob mir das immer so gelingt müssen Andere beurteilen.

M* hat jedenfalls ein bisschen meinen Ratschlag beherzigt – „geh hinaus in die Welt und finde selbst heraus, wer du bist und was du willst“. Heute Mittag ist er gegangen. Das Flugzeug ist mit ihm abgehoben und hoffentlich auch wieder sicher gelandet. Mit zwei Koffern und seinem Bruder stand er am Check-in Schalter. Aufregung war ihm nicht anzusehen. Die Ruhe selbst. Na gut, er hat ja auch keine Flugangst, so wie ich. Trotz seiner Jugend ruht er  in sich selbst. Dafür zolle ich ihm meinen vollen Respekt. Davon würde ich mir manchmal gerne eine Scheibe abschneiden.

Abschied nehmen fällt mir schwer. Besonders, wenn mir jemand ans Herz gewachsen ist. Und das ist M* auf jeden Fall. Ich weiß, dass es nur ein Abschied auf Zeit ist und das die Welt (glücklicherweise) heutzutage vernetzt ist, sodass man viel leichter in Kontakt bleiben kann. Aber es ist dennoch nicht das Selbe.

Warum er mir ans Herz gewachsen ist? Weil er offen und freundlich ist. Weil man sich gut und nicht nur oberflächlich mit ihm unterhalten kann. Weil er schweigen kann. Weil er ist wie er ist!

Ich gönne ihm die Erfahrungen, die er dort machen wird. Fernab von Eltern, Verwandten, Freunden…. Er wird wachsen und sich verändern. Er wird sein Leben im Griff haben. Er soll seine Leidenschaften entdecken, Erfahrungen machen, seinen Lebenspfad finden und Träume haben. Ich weiß, dass er all das schaffen wird. Er ist jetzt schon ein „starker“ Mann. Ein Mensch, der schon einiges im Leben erlebt hat, das ihn prägte. Einiges davon hätte er lieber noch nicht erleben sollen. Eigentlich sollten junge Menschen doch eine beschützte, behütete, liebevolle und vorallem unbeschwerte Kindheit und Jugend verbringen – ohne Katastrophen, Leiden oder Verluste.

So wie er ist, ist er gut. Ein liebenswerter Mensch. Ein empathischer noch dazu. Ich bin nicht seine Mutter, aber eine „Freundin“ oder wie er mir neulich schrieb „wie eine Tante“, ohne belehrend zu sein.

Danke lieber M* für deine Worte, die viel in mir bewirkt haben und die ich dennoch so von dir nicht erwartet hätte.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und immer nette Menschen um dich. Ich werde dich vermissen. Ich werde hoffen, dass du befreit und losgelöst von zu Hause die richtigen Lebensentscheidungen für dich treffen wirst.

Der Weg endet nicht dort, wo wir das Ende sehen, sondern da, wo wir nicht weitergehen!

Machs gut! Liane

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2 Gedanken zu “Manchmal muss man loslassen

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